Lernend spielen -

Spielend lernen

Friedrich Schiller wusste es schon vor über 200 Jahren: „Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt“. Und Michel de Montaigne befand bereits 200 Jahre zuvor: „Das Spielen der Kinder sollte man als ihre ernsthafteste Fähigkeit betrachten“.

Wie recht die beiden hatten wird durch die heutige Spielforschung bestätigt. Für diese ist das kindliche Spiel eine Grundkonstante menschlichen Handelns, ebenso wie das Lernen.



Dabei dürfen wir Spielen nicht einfach mit „Spaß haben“ gleichsetzen. Spielen ist alles andere als eine Spielerei! Das Spielen ist eine zentrale Ausdrucksform des Menschen und wer Kinder beim Spielen beobachtet stellt fest, dass diese oft hochkonzentriert vorgehen und dabei nicht selten alles um sich herum ausblenden.

Beim Spielen gilt es, sich eine eigene Taktik auszudenken und parallel dazu zu überlegen, welche der Gegner wohl gerade verfolgt. Zugleich sollte bedacht werden, dass auch der Gegner wohl gerade überlegt, was ich selbst wiederum gerade denke. Allgemeiner formuliert: Beim Spielen müssen wir uns permanent in die Mitspieler hineinversetzen, nur so können wir gute Entscheidungen treffen. Auf diese Weise fördert das gemeinsame Spielen unser Einfühlungsvermögen, das soziale Miteinander, unsere Kreativität und nicht zuletzt das Lernen selbst.

Binden wir das Spiel in didaktische und pädagogische Zusammenhänge ein, also zum Beispiel als Medium zur gezielten Vermittlung von Unterrichtsstoffen, so sprechen wir von Lernspielen. Spiele können auf diese Weise höchst effektiv in Lernsituationen eingesetzt werden um gezielt ausgewählte Inhalte zu transportieren.

Dabei lernen die Kinder auf sehr spielerische und jeweils ganz individuelle Art und Weise Bedeutsames für den Kindergarten, für die Schule und damit natürlich für das Leben. So lernen sie etwa mit der Uhrzeit umzugehen, sie lernen die Jahreszeiten, die Farben, die Zahlen, das Addieren und Subtrahieren, die Buchstaben und das Lesen. Sie lernen auch etwas über die Gesetze des Zufalls beziehungsweise der Wahrscheinlichkeit, wie man an ein Problem herangeht und dass es bestimmte Strategien gibt, ein Spiel zu gewinnen.

Da die Kinder beim Spielen in aller Regel höchst motiviert bei der Sache sind, stellen sich die angestrebten Lernerfolge bei didaktisch gut konstruierten Lernspielen nahezu gesichert ein.

Dies alles ist wichtig, gut und allemal Legitimation genug, warum wir im Kindergarten und in der Schule mit unseren Kindern spielen sollten.

Aber sind diese Lerninhalte wirklich das Wichtigste, was Kinder beim gemeinsamen Spielen lernen? Wir glauben das nicht und schließen uns den Worten von Bruno Bettelsheim an, der vor vielen Jahren befand:

„Das Wertvollste, was Kinder aus dem Spiel lernen ist aber, dass die Welt nicht untergeht, wenn sie verlieren. Wenn sie das eine Spiel verlieren, können sie das nächste oder übernächste gewinnen. Sie erkennen allmählich, dass sie trotz zeitweiliger Rückschläge im Leben zum Schluss doch gewinnen können, sogar in derselben Situation, in der sie die Niederlage erlitten haben.“

Aus diesen Worten können wir Erwachsene erfahren, dass wir beim Spielen nicht so sehr das Gewinnen in den Vordergrund stellen sollten, sondern vielmehr die Freude am gemeinsamen Tun. Durch gemeinsames Spielen können wir unseren Kindern vermitteln, dass Verlieren ebenso wenig ein Hinweis auf eine persönliche Unterlegenheit ist, wie Gewinnen der Beweis persönlicher Überlegenheit. Beides, Verlieren und Gewinnen, gehört zum Leben dazu und dies zu lernen, sollte auch eine Aufgabe von Kindergarten und Schule sein.

Ganz in diesem Sinne möchten wir Sie herzlich zu uns einladen: Besuchen Sie uns mit Ihren Kindern, als ganzes Kollegium und tauchen Sie ein in die Welt der Lernspiele.

Mit verspielten Grüßen

Ihr

Team aus dem Lernzentrum Kinzigtal